Language Mining Podcast (Fremdsprachen lernen)

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113: 4 Schritte um eine neue Sprache zu lernen

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Was braucht es wirklich um sich auf eine neue Sprache zu stürzen?

Es ist noch gar nicht so lange her, da habe ich davon berichtet, wie ich eine neue Sprache beigebracht habe. Dabei ging es um Dänisch und wir haben sogar drei Episoden über das Thema gemacht. Ganz unten sind die Links dazu.

Jetzt ist es mal wieder soweit. Eine neue Sprache ist an der Reihe. Ich habe bereits begonnen und weiß noch gar nicht so genau, wo die Reise hingeht.

Schritt Nr. 0: Erst einmal aufräumen

Ich nenne diesen Schritt ganz bewusst Null, weil nicht jeder aufräumen muss. Da ich schon viele Sprachen gelernt habe und auch schon viele wieder verlernt habe, mache ich mir zunächst einen Plan darüber, was ich mit den vorhandenen Sprachen mache.

Das ist so ähnlich wie wenn man eine neue Sportart oder ein neues Musikinstrument lernen möchte: Was passiert mit der alten Sportart, mit dem bereits gelernten Instrument? Es wäre schade, wenn all das Üben "für die Katz" gewesen wäre.

Aufräumen heißt für mich also mir Gedanken darüber machen, wie ich die neue Sprache unterbringe bzw. wie ich die vorhandenen Sprachen weiter pflegen kann.

Schritt Nr. 1: Informationen über die Sprache sammeln

Gehen wir mal davon aus, dass jemand die Entscheidung getroffen hat eine bestimmte Sprache zu erlernen, von der er noch nicht allzu viel weiß. Der erste Schritt ist das Kennenlernen. Der erste Kontakt. Einfach mal ausprobieren. Das könnte zum Beispiele eine Reise in das Land sein, in dem die Sprache gesprochen wird. Vielleicht reicht aber auch ein kurzer Sprachkurs oder man lernt Muttersprachler in der Gegend kennen.

Darüber hinaus mache ich mir noch gern einen Überblick, in dem ich die Wikipedia-Seite der Sprache lese. Hier ist zum Beispiel die Seite über Persisch. Da stehen dann Sätze wie dieser: Persisch wird von 60–70 Millionen Menschen als Muttersprache gesprochen und von weiteren 50 Millionen als Zweitsprache. Etwa 41 Millionen Muttersprachler leben im Iran, weitere 15 Millionen in Afghanistan und 15 Millionen in Zentralasien (vor allem in Tadschikistan und in Usbekistan). Weiter gibt es Informationen wie diese: Persisch wird seit der Islamisierung Persiens in arabischer Schrift geschrieben.

So kann man sich langsam in die Sprache einlesen und man lernt schon das eine oder andere Wort. Ich würde in dieser auch gezielt nach Blogartikeln suchen, in denen die größten Schwierigkeiten beim Lernen beschrieben werden. So könnte beim Beispiel Persisch die Schrift ein Thema sein, bei Chinesisch ist es vielleicht die Aussprache oder die große Anzahl an Zeichen, bei Finnish die vielen Fälle usw.

Schritt Nr. 2: Das Gefühl überprüfen

Noch ist nicht aller Tage Abend. Jetzt wo du also etwas über die Sprache weißt und auch schon das eine oder andere Wort gelernt hast, ist es an der Zeit dein Gefühl zu überprüfen. Fühl mal in dich rein. Willst du diese Sprache wirklich lernen?

Das ist in etwa so wie mit einer Berufsausbildung oder einem Studium. Man fängt nicht einfach mal an und bricht dann nach einigen Monaten wieder ab. (Na ja, es soll Menschen geben, die das tun. Ratsam ist es jedenfalls nicht.)

Wenn das Gefühl nicht stimmt, dann bitte abbrechen und etwas Zeit verstreichen lassen.

Schritt Nr. 3: Das richtige Tool oder Tools finden

Bei Dänisch war es so, dass ich bereits das Tool gefunden hatte. Ja, ist es nicht meistens so, dass wir zuerst zu dem Tool greifen, das wir kennen? Wir Menschen sind Gewohnheitstiere. Ist doch klar.

Und dennoch bin ich neugierig, was es so auf dem Markt gibt. Es gibt so viele neue Apps und Websites. Man kann natürlich nicht alles testen, und so würde ich jedem raten, erst das zu tun, was für eben dich am naheliegendsten ist. Was hast du bisher so getan, wenn du eine Sprache lernen wolltest oder gelernt hast? Ein Buch? Ein Sprachkurs? Eine Reise? Okay, dann mach erst einmal das, wenn es zeitlich und finanziell passt.

Schritt Nr. 4: Neues Ausprobieren

Wenn die altbewährten Tools funktioniert haben und die neue Sprache keine allzu großen Herausforderungen stellt, so mag dieser Schritt vielleicht nicht so wichtig erscheinen und doch würde ich nach neuen Tools suchen. Man findet immer etwas Neues, was auch oft sehr gut ist. Manchmal ersetzt ein neues Tool ein altes und manchmal ist es eine Ergänzung dazu.

Vor allem sollte man alte, bekannte Tools in Frage stellen, wenn die neue Sprache besondere Schwierigkeiten mit sich zu bringen scheint.

Hier sind meine 4 Schritte

Also, ich habe vor einigen Wochen damit geliebäugelt Persisch zu lernen. Ich hatte viel Kontakt zu Afghanen, die im Iran aufgewachsen waren. So habe ich die Sprache oft gehört und mich an den Klang gewöhnt. Und wenn einem der Klang einer Sprache nicht gefällt, dann sollte man sie auch nicht lernen.

Dann habe ich verschiedene Blogartikel und die Wikipedia-Seite gelesen. Außerdem gibt es ein Wikibuch mit 18 Lektionen zum Persisch lernen.

Und schon nach kurzer Zeit wusste ich, dass ich Persisch lernen wollte. Ich habe auch gemerkt, dass mich der Iran mehr interessiert als Afghanistan. Und so habe ich angefangen im Internet über den Iran zu recherchieren.

Bei den Tools musste ich mich zum Teil neu orientieren. Meine Lieblingstools gibt es zum Teil nicht für Persisch, und mir war am Anfang nicht ganz klar wie ich das neue Alphabet lernen sollte. Aber auch das Problem war dann schnell gelöst. Suchet und ihr werdet finden – ist es nicht immer so?

Hier sind also noch die Links zu meinem Selbstversuch mit der dänischen Sprache:

http://www.languagemining.de/074-1-fremdsprache-in-5-monaten-teil-1-der-selbstversuch/

http://www.languagemining.de/075-1-fremdsprache-in-5-monaten-teil-2-theorie-in-praxis-umsetzen/

http://www.languagemining.de/076-1-fremdsprache-in-5-monaten-teil-3-stolpersteine/

 

112: Vergessen – wie funktioniert das?

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Wie funktioniert "vergessen"?

Das Merken von Wörtern ist dasselbe wie das Vergessen, nur anders herum. Also beim Lernen verankern wir Information im Gehirn, und beim Vergessen geht es wieder raus. Wir legen den Fokus immer nur allzu sehr auf das Merken und denken fast nie daran, dass Vergessen vielleicht die wichtigere Komponente ist.

Das ist in etwa so wie ein Eimer, den wir mit Wasser füllen wollen. Und dieser Eimer hat ein Loch. Was ist nun wichtiger: das Loch zu stopfen oder den Eimer zu füllen? Okay, also wie immer hinkt der Vergleicht und es kommt natürlich auch auf die Parameter an. So ist es wichtig zu wissen, wie groß das Loch ist, mit wie viel Liter pro Minute ich den Eimer fülle und wie lange das Wasser im Eimer bleiben soll. Und beim Sprachenlernen ist das nicht anders. Und die Analogie mit dem Eimer ist natürlich nur ein Gedankenanstoß.

Was ist lernen?

Okay, wir haben die Frage mit dem Vergessen noch gar nicht beantwortet und schon geht es mit der nächsten Frage weiter. Geduld. Geduld. Wir kommen noch zum Punkt.

Lernen bedeutet etwas Neues mit etwas Vorhandenem zu verbinden. So ist dort zum Beispiel ein Gegenstand, den ich visuell erkennen kann. Allerdings kenne ich nicht das dazugehörige Wort. Ich schlage das Wort nach oder jemand sagt es mir und schon kann ich dieses Wort mit dem Gegenstand zusammenbringen. Das Neue ist hier also das Wort und das Vorhandene ist der Gegenstand, den ich visuell identifiziert habe. Und damit habe ich ein neues Wort gelernt.

Reicht eine Bedeutung aus um das Wort zu lernen?

Das könnte vielleicht sogar die falsche Frage sein. Und die kurze Antwort ist: Ja. Und es sollten auch auf keinen Fall mehr sein. Wenn ich einmal die Bedeutung gelernt habe, kann ich sie sofort anwenden. Das nennt man auch A-B-Verknüpfung: in diesem Kontext = dieses Wort. In einem anderen Kontext könnte es dann vielleicht nicht mehr passen.

Ein Beispiel hierfür ist das deutsche Wort Auto und das Synonym Wagen. Bei den folgenden beiden Sätzen spielt es keine große Rolle, ob Auto oder Wagen sage: 'Wir nehmen deinen Wagen.' und 'Wir nehmen dein Auto.' Allerdings klingt dieser Satz etwas seltsam: 'Holst du bitte ein Einkaufsauto?'

Versuche ich allerdings alle Bedeutungen auf einmal zu lernen, dann habe ich keine A-B-Verknüpfung mehr, sondern eine A-B1, A-B2, A-B3 usw. -Verknüpfung. Das sind eindeutig zu viele Dinge auf einmal.

Unser Gehirn tickt nicht so. Tatsächlich funktioniert das Gehirn sequenziell, oder auf Deutsch: eine Sache nach der anderen. Wenn also zu viele Dinge gleichzeitig passieren oder gelernt werden müssen, dann vergessen wir schnell wieder.

Und was ist denn nun vergessen?

Vereinfacht gesagt lernen wir mit den Sinnen. Und davon haben wir fünf. Für dieses Beispiel nehme ich der Einfachheit halber nur drei: den Sehsinn, den Hörsinn und das Gefühl. Und ich vergleiche das Lernen eines neuen Wortes mit einem Schiff auf Wasser. Das Schiff ist in diesem Beispiel das neue Wort.

Das Schiff treibt nur so herum, so dass man es nicht greifen kann. Lasse ich es los, so ist es wieder weg. Genauso passiert es mit einem Wort, dessen Bedeutung ich im Wörterbuch nachschlage und kurz darauf wieder vergesse.

Werfe ich nun einen Anker. Und der Anker repräsentiert hier einen der Sinne, so kann ich das Schiff mehr oder weniger festhalten. Allerdings dreht sich das Schiff noch im Kreis. Ziehe ich dann an der Ankerkette, so ziehe ich am Schiff. Beim Wort bedeutet das, dass wenn ich den Sinn aktiviere und zum Beispiel an ein Fenster denke, dann ziehe ich damit an der Ankerkette rufe mir dadurch zum Beispiel das englische Wort 'window' ins Gedächtnis.

Wir es auf See etwas stürmisch, so kann eine Ankerkette schnell reißen. Das bedeutet dann, dass ich das Wort wieder vergesse.

Aktiviere ich nun aber mehrere Sinne, also zum Beispiel den Sehsinn, den Hörsinn und das Gefühl gleichzeitig, dann braucht es schon einen gehörigen Sturm, das heißt es gehört schon etwas dazu das Wort wieder vergessen zu können.

Das Spannende ist hierbei nicht nur mit vielen Sinnen zu arbeiten, sondern darüber hinaus auch noch die Ankerketten zu verstärken. Und dafür gibt es natürlich ganz tolle und effiziente Methoden.

111: Die 7 Mythen über Muskeltraining und Sprachtraining

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Beim Stöbern auf iTunes bin ich auf den Podcast von Mark Maslow Fitness mit M.A.R.K. Podcast: Abnehmen | Muskelaufbau | Ernährung | Motivation gestoßen, wo es die Episode 87 den Titel Die 7 größten Mythen übers Muskeltraining trägt. Und ich vergleiche ja das Sprachenlernen immer mit dem Sport, also geht es heute mal ganz konkret um Marks 7 Mythen. Wir schauen uns an, wie diese zum Sprachenlernen passen.

Mythos #1 – Wenn Du abnehmen willst und keine Zeit für Kraft- und Kardiotraining hast, solltest Du nur Kardio trainieren

Der Unterschied zwischen Kraft und Kardio ist beim Sprachenlernen der Unterschied zwischen dem regelmäßigen Einsatz von Sprachlernsoftware und/oder Vokabeltrainer und dem gezielten Üben und Anwenden von Strukturen und grammatikalen Strukturen.

Das klingt vielleicht etwas zu abstrakt, daher hier die Auflösung: Beim Kardiotraining trainiere ich die Ausdauer. Dabei braucht ich nicht nachzudenken und ich verbessere meine allgemeine Fitness. Bei der Sprachlernsoftware oder beim Vokabeltrainer brauche ich auch nicht nachzudenken. Das Tool liefert mir die Sprache und ich mach einfach.

Und ja, wenn man wenig Zeit hat, dann sollte man sich auf jeden Fall für das "Sprach-Kardio" entscheiden. Zusammen mit Regelmäßigkeit und/oder Disziplin führt das zum Ziel. Ganz automatisch. Ein gezieltes Training für z. B. Aussprache, grammatikalische Themen, Redewendungen usw. ist praktisch so eine Art gezieltes Training für Gehirnmuskeln.

Mythos #2 – Erst solltest Du das überschüssige Fett abbauen, danach kannst Du mit dem Muskeltraining loslegen

So, jetzt stellt sich die Frage, wie ich überschüssiges Fett mit Sprachen lernen in Verbindung bringen kann. Geht das überhaupt? Ja. Wie immer ist die Antwort auf die meisten Fragen kurz und prägnant. Ja, es geht.

Das Fett ist so eine Art Gehirnfett. Falsch Gelerntes, schlechte Gewohnheiten, mangelnde methodische Kenntnisse usw. Hier darf ich als Coach erst einmal ein wenig im Gedankengut des Coachees aufräumen und neue neuronale Verknüpfungen anlegen.

Mythos #3 – Wenn Du Gewichte hebst, wirst Du massig wie ein Bodybuilder

Zu diesem Mythos #3 fand ich den Untertitel klasse. Mark schreibt: "Muskeln wachsen langsam. Und keinesfalls zufällig." Es geht hier also um die Angst von manchen Menschen, die glauben, irgendwann oder relativ schnell so auszusehen wie ein Muskelprotz. Wie Mark schon sagt, ist das nur ein Mythos und mit Bezug auf das Sprachenlernen glaube ich nicht, dass irgendjemand glauben könnte, dass er vielleicht zu viel Sprache lernen könnte. Muskeln wachsen langsam und Gehirnmuskeln wachsen auch langsam. Also, keine Panik.

Was allerdings stimmt – und das gilt genauso für die Muttersprache – ist, dass man schon recht schnell ein Sprachniveau erreichen kann, mit dem man den einen oder anderen Muttersprachler überfordert. Das ist dann so als hätte ich mir so viele Muskeln antrainiert, die der Partnerin oder potentiellen Partnerin dann nicht gefallen. Und auch hier wieder: Muskeln, Gehirnmuskeln und damit eben die Sprachkenntnisse wachsen langsam.

Mythos #4 – Muskeltraining verwandelt Dich in einen unbeweglichen Roboter

Ja, der Vergleich zum Sport aus Sprachlernsicht hinkt hin und wieder. Also, durch gezieltes Muskeltraining werde ich nicht unbeweglich und durch gezieltes Sprachtraining werde ich auch nicht unflexibel.

Und doch steckt hier wieder einmal ein Quäntchen Wahrheit drin. Je öfter und je intensiver ich etwas tue, desto stärker lenke ich den Fokus darauf. So kann ich mir also vorstellen, dass ein Zahnarzt bei einem gewöhnlichen Gespräch außerhalb der Praxis hin und wieder auf die Zähne seines Gesprächspartners schaut. Ein Bodybuilder schaut auf die Muskeln anderer. Und so weiter. So muss ich zugeben, dass ich während des Zuhörens auch immer auf die Wortwahl, die Aussprache und viele andere Dinge achte, auch wenn ich nicht im Coaching bin.

Mythos #5 – Frauen müssen anders trainieren als Männer

Mark schreibt: Der schnellste Weg zu einem fitteren, definierteren Körperbau ist der gleiche Weg, der Männern hilft, muskulöser zu werden. Absolut. Nur, dass es beim Sprachenlernen genau anders herum ist.

Es liegt natürlich nicht am Testosteron wie beim Muskeltraining, sondern es gibt evolutionstechnische und psychologische Gründe, warum Frauen bessere Sprachlerner sind. Und auch das ist wissenschaftlich nicht nachgewiesen. Wir haben ja schon einmal in der Podcast-Episode Frauen können besser Fremdsprachen darüber berichtet.

Mythos #6 – Dein Fitnessstudio ist Dein zweites Zuhause, wenn Du nackt gut aussehen willst

Die Message hinter diesem Mythos ist, dass man nicht seine ganze Freizeit im Fitnessstudio verbringen muss, um körperlich fit zu sein. Das gleich gilt fürs Sprachenlernen. Ich stimme dem also aus sprachlicher Sicht voll zu. Das regelmäßige Ausdauertraining und das gezielte Muskeltraining ist beim Sprachenlernen – wie bereits erwähnt – die Sprachlernsoftware welcher Art auch immer und die gezielten Sprachtrainingseinheiten. Und auch diese muss man nicht im Fitnessstudio, d. h. im Sprachkurs, machen, sondern es gibt so viele kurze Trainingseinheiten, die man allein und zwischendurch machen kann. Diesbezüglich ist man was das Sprachtraining angeht noch viel flexibler.

Mythos #7 – Muskeltraining macht Dich langsam und träge

Ich erlaube mir diesem Mythos noch ein kleines Wörtchen hinzuzufügen: "Gehirnmuskeltraining macht Dich langsam und träge." Sicher nicht. Ebenso wie beim Sport ist das Gegenteil der Fall.

Fazit

Auch im Fazit lässt Mark Maslow keinen Zweifel daran, dass es sich tatsächlich nur um Mythen handelt. Insbesondere schreibt er: "Grundsätzlich empfehle ich Dir: Such‘ Dir einen Trainer oder Coach, dem Du vertraust. Und dann bleib dran." Diesen Satz kann man 1:1 auf das Thema Sprachenlernen übertragen und ist somit auch meine Empfehlung.

110: Deep Meaning - Die tiefere Bedeutung

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Steckt hinter Deep Meaning tatsächlich eine tiefere Bedeutung? Oder vielleicht sollte ich anders fragen: Schon mal ein Wort im Wörterbuch nachgeschlagen und mehr als 10 Vorschläge bekommen? Ja, genau, und dann will man seine E-Mail weiterschreiben und schon ist das Wort wieder aus dem Kurzzeitgedächtnis verschwunden. Und dann stellt man sich auf den zweiten, inzwischen etwas frustrierteren Blick ins Wörterbuch ein. Oh Mann, wenn Sprachen lernen doch nur nicht so lästig wäre …

Kürzlich hörte ich wie eine Mutter mit ihrer Tochter auf Englisch geschimpft hat, dass sie doch bitte nach dem Zähneputzen die Essensreste aus dem Waschbecken wegspülen solle. Für Essensreste benutzte sie das englische Wort 'debris'. Das Wort ist französischer Herkunft und kommt von 'briser', was so viel heißt wie 'in Stücke zerbrechen'. Das Wörterbuch von Merriam-Webster zwei Bedeutungen parat:

: the pieces that are left after something has been destroyed
: things that are lying where they fell or that have been left somewhere because they are not wanted

Ich kannte hier wirklich nur die erste Bedeutung. Und dass man das Wort im Zusammenhang mit Essensresten benutzen kann, war mir völlig fremd.

Wo steckt denn da ein Deep Meaning, eine tiefere Bedeutung?

Wie immer ist Sprachenlernen für mich ein Gefühl. Immer, wenn ich etwas ausdrücken möchte, sind da meine Sinne, die mich stimulieren. So bringt zum Beispiel der Sehsinn ein bestimmtes Bild hervor. In dem eben beschriebenen Fall von 'debris' hatte ich das Wort ganz klar mit der ersten Definition abgespeichert. Und so verbinde ich damit Bilder der Zerstörung wie nach einem Bombeneinschlag im Krieg oder ein zusammengefallenes Haus. Bei diesen Bildern hat also niemand Dinge liegen oder fallen lassen, die nicht mehr gebraucht wurden.

Auch bei der zweiten Definition fällt es schwer, diese mit Essensresten im Waschbecken zusammenzubringen. Oder vielleicht ist es doch ganz leicht? Beim "Deep Meaning" geht man immer von einer eher abstrakten oder sehr allgemeinen Bedeutung aus. So würde ich die beiden obigen Definitionen erst einmal neu schreiben, und zwar viel viel kürzer:

: things that are left where they are

Wenn etwas zerstört wird, dann bleiben die Dinge dort liegen, wo sie sind. Und was die zweite Definition angeht, also 'are lying where they fell' … Hmm, also alles, was einmal gefallen ist, liegt dort, wo es ist. Ob es nun gefallen ist oder nicht. Oder ob es jemand liegen gelassen hat oder nicht. Und auch ist in dieser Definition unwichtig, ob es noch gebraucht wird oder nicht.

Okay, war das zu kompliziert? Dann machen wir ein einfacheres Beispiel und ich stelle eine einfache Frage: Was ist die Bedeutung von 'holen'? Ganz einfach:

'holen' = 'gehen' + 'nehmen' + 'zurückgehen'

Ist doch logisch, oder? Das "Deep Meaning" von 'holen' ist dann also, dass in dem Wort eigentlich drei Dinge enthalten sind. 'holen' ist somit eine Bedeutungsgruppe.

Was bedeuten die Dinge wirklich?

Die Antwort auf diese Frage ist nicht philosophisch, sondern es geht um das, was dahinter steckt. Und man muss dabei nicht immer alles neu definieren. Neulich sagte mir jemand, er hätte sich einen 'Air Cleaner' gekauft und zeigte mir das kleine elektrische Gerät, dass vom Namen her den Anschein erweckt, dass es die Luft reinigt.

Okay, 'reinigen' also. Und was genau ist 'reinigen'? Was ist die tiefere Bedeutung, das "Deep Meaning"? 'Reinigen' bedeutet, ich nehme Schmutz weg. Damit ist nachher weniger dort ist als vorher.

Tatsächlich fügte dieses Gerät aber der Luft etwas hinzu. Es war nämlich gar kein 'Air Cleaner', sondern ein 'nebulizer' oder 'diffuser', also ein Gerät, dass der Luft etwas hinzufügt.

Immer, wenn ich diese tiefere Bedeutung eines Wortes verstanden und verinnerlicht habe, dann fällt es mir später sehr viel leichter, dieses Wort in anderen Kontexten zu gebrauchen.

109: Storytelling - Wie funktioniert das?

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Ich werde oft gefragt, wie ich denn in einem Deutschkurs anfangen würde, wenn es sich bei den Lernern um Anfänger handelt. Man könne doch nichts erklären. Jeder, der einmal eine "erste Deutschstunde" mitgemacht hat, weiß, dass das so nicht stimmt. Man kann eine Sprache sogar durch bloßes Zuhören lernen. Es dauert dann etwas länger, doch auch das geht. Wenn man es allerdings vormacht, in Geschichten verpackt, nachsprechen lässt und es dann auch noch schreibt, dann nennt man es Storytelling.

Storytelling ist natürlich ein englisches Wort und klingt so nach Geschichten erzählen. Ja, das ist es auch. Nur, was hat das mit dem Sprachenlernen zu tun? Oh, sehr sehr viel. Und wenn ich von Storytelling spreche, dann meine ich ganz spezifisch die TPR- oder TPRS-Methode.

Teaching Proficiency through Reading and Storytelling

Uff, ein englischer Titel. Also machen wir es mal auf Deutsch: Kenntnisse durch Lesen und Geschichten erzählen vermitteln. Was steckt genau dahinter? Nun ja, die Idee ist recht simple. Ich erzähle eine Geschichte in einer Art und Weise, in der sie interessant ist und den Zuhörer zum Mitsprechen verleitet. Später darf der Lerner die Geschichte dann auch noch lesen.

TPR Storytelling passiert in drei Schritten. Zunächst wird das Vokabular aufgebaut, dann erzählt der Lehrer die kurze Geschichte und am Ende lesen die Schüler die Geschichte. Zum Erklären des Vokabulars setzt man in der Regel viel Gestik und Mimik ein. Eigentlich wird der Unterricht dadurch zu einer Art Theater oder besser noch eine Art Mitmachtheater. Die Geschichte wird durch ständiges Fragen aufgebaut. Der Lehrer beantwortet die Fragen natürlich selbst.

Es ist nicht ungewöhnlich, dass die Wörter und Strukturen bis zu 100 Mal wiederholt werden. Durch die vielen Wiederholungen und verknüpft mit Gestik und Mimik fängt der Lerner schnell an zu verstehen und schon nach kurzer Zeit fängt er an die Sätze und Wörter teilweise nachzuplappern.

Wie viele neue Wörter enthält eine Story?

Es sollten nur maximal 3 neue Vokabeln eingeführt werden. Und natürlich kommen dazu noch die Wörter und Strukturen, die der Lerner bereits gelernt hat, und auch verwandte Wörter und Eigennamen. Man die Geschichte natürlich auch in Kapitel aufbauen und so eine lange Geschichte in kleinere Häppchen teilen. Die Vorgehensweise ist dabei immer dieselbe. Auch wiederhole ich Stories im Laufe eines Kurses immer mal wieder. Dann allerdings im Schnelldurchlauf zum Auffrischen.

Für welches Sprachniveau ist die Methode geeignet?

Für absolut jedes Niveau. Sowohl für lernbehinderte Analphabeten mit psychischen Problemen als auch für hochbegabte fortgeschrittene Lerner. Ganz gleich auf welchem Niveau, ich würde immer nur drei neue Wörter oder eine neue Struktur mit bekannten Wörtern nehmen.

Und die Storytelling macht Spaß für alle: Anfänger, Fortgeschrittene und auch für die Lehrer. Die Schüler machen sofort mit. Für die Lehrer – vor allem für die erfahrenen Lehrer – ist es am Anfang vielleicht eine Umstellung. Und wer das einmal erlebt hat, will danach nichts anderes mehr.

108: Sprechgeschwindigkeit meistern

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Kürzlich machte einer meiner Coachees so eine Bemerkung, dass ihm die Sprechgeschwindigkeit zu hoch sei. Und sofort musste ich an eine Studie denken, in der es um Sprechgeschwindigkeit und Informationsdichte einer Sprache ging. Eine akademische Studie zu lesen ist nicht jedermanns Sache, allerdings gibt es auch einen sehr interessanten Artikel aus der Welt zu dem Thema.

In der Studie wurde herausgefunden, dass man in manchen Sprachen mehr Silben braucht, um einen bestimmten Informationsgehalt verbal zu kommunizieren. Allerdings ist der Informationsgehalt pro Minute bei fast allen Sprachen gleich. Daraus folgt, dass man manche Sprachen einfach schneller sprechen muss, damit die Menge an Information in einer bestimmten Zeit erreicht wird.

Wie schnell darf ein Muttersprachler sprechen?

Natürlich braucht unser Gehirn etwas länger, wenn es sich um eine Fremdsprache handelt. Und außerdem verbrauchen wir auch Gehirnkapazität mit dem Suchen. Wenn also jemand spricht und dabei ein Wort sagt, dass wir gar nicht kennen, dann versucht unser Gehirn dennoch Bedeutung zu geben. Allerdings erfolglos oder einfach nur falsch. Währenddessen spricht mein Gegenüber weiter und achte überhaupt nicht auf die Wörter, weil ich ja noch mit den vorigen Wörtern beschäftigt bin.

Ein Muttersprachler darf immer so schnell sprechen wie er möchte. Die meisten Muttersprachler können auch gar nicht anders. Vielleicht schaffen sie es, etwas langsamer zu sprechen, wenn man sie darum bittet, jedoch fallen sie nach kurzer Zeit wieder in ihren alten Trott, das heißt in die gewohnte Sprechgeschwindigkeit zurück. Als Zuhörer und Nicht-Muttersprachler darf ich mir dann eine Strategie überlegen, mit der ich es trotzdem verstehe. So könnte ich zum Beispiel immer mal wieder nachfragen oder das eine oder andere mit denselben Worten wiederholen. Wenn zum Beispiel jemand sagt: "Wir waren am Samstag auf einer Grillparty." Dann könnten Sie das aufgreifen und ganz simpel kommentieren: "Interessant, eine Grillparty." Vielleicht fügen Sie noch ein "Wo denn?" hinzu und schon haben Sie eine tolle Unterhaltung, der Ihr Gegenüber als angenehm empfindet. Sie bremsen ihn mit dieser Taktik höflich aus und erhöhen das Verständnis. Dazu passt unsere vorige Episode mit dem Titel Die Wörter der Anderen.

Die eigene Sprechgeschwindigkeit

Eine Sache ist es einem Muttersprachler zuzuhören, eine ganz andere allerdings, wenn man selbst schnell sprechen möchte. Unser Gehirn kann in einer sehr kurzen Zeit sehr, sehr viele Gedanken und Bilder erzeugen. In unserer Muttersprache wissen wir, wie schnell wir sprechen können. Unsere Sprechwerkzeuge, also Rachen, Mund, Zunge usw., sind der Flaschenhals. Sie begrenzen die Sprechgeschwindigkeit. Unser Gehirn passt sich also an und produziert entsprechend weniger Bilder, sodass wir einerseits in der Lage sind die Wörter dazu auszusprechen und andererseits sollte es auch so langsam sein, dass unser Gesprächspartner uns versteht.

Komischerweise wollen wir nun in der Fremdsprache genauso schnell sprechen wie in unserer Muttersprache. Unserem Gehirn ist das erst einmal egal. Die Bilder und Gedanken sind auch in der Fremdsprache schnell produziert und das Aussprechen der Wörter geht in etwa genauso schnell. Blöd ist nur, dass uns hier und da die Wörter und Redewendungen fehlen. Damit verengt sich der Flaschenhals und wir werden nervös. Es geht nicht schnell genug.

Das ist in etwa so, als würden wir gern mit verschiedenen Menschen spazieren gehen. Es spielt kaum eine Rolle, mit wem wir gemütlich laufen. Es sei denn, wir möchten mit einem kleinen Kind oder einem gebrechlichen Greis einige Schritte gehen. So müssten wir die Geschwindigkeit verringern oder der andere bleibt zurück oder stolpert.

Bei der Fremdsprache ist das nicht anders. Man muss auch nicht jeden Satz sagen. Oder anders ausgedrückt: Man muss auch nicht immer einen ganzen Kilometer spazieren gehen. Manchmal reicht auch ein halber. Es gibt ganz einfache Techniken, mit denen man sich diese Ruhe in der Fremdsprache aneignen kann. Nervös werden bringt gar nichts, na ja, es bringt genau das Gegenteil.

107: Flüchtlinge in Deutsch unterrichten

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Das Thema Flüchtlinge ist überall in den Medien. Und dass ein vernünftiges Sprachtraining das A und O für eine reibungslose Integration ist, sollte jedem klar sein. Eigentlich haben wir ja sehr viel Erfahrung mit Zuwanderung. Schon seit den 60er Jahren integrieren wir Türken, Spanier, Italiener, Griechen und viele andere Völker in unser Land. Wir kennen uns also gut aus – oder vielleicht doch nicht?

Was sind eigentlich Flüchtlinge

Flüchtlinge oder auch Migranten, na ja, was ist das eigentlich? Es sind Menschen auf der Flucht. Menschen, die ihr Land verlassen und sich bei uns niederlassen. Moment, wenn die sich bei uns niederlassen, dann sind es doch keine Flüchtlinge mehr. Die Flucht ist ja vorüber. Sie sind am Ziel. Also flüchten sie nicht mehr. Sie migrieren auch nicht mehr, denn sie sind ja bereits migriert. Es sind also weder Flüchtlinge noch Migranten. Sie waren es einmal und das ist nun vorbei. Haben wir da vielleicht das falsche Wort gewählt?

Analphabet oder nicht?

Das ist vermutlich eine der größten Hürden, die es als Deutschlehrer zu nehmen gilt. Nachdem ich eine Gruppe von Deutschlernern unterrichtet hatte, die am Anfang weder lesen noch schreiben konnten, fragte mich ein Betreuer: Carsten, wie läuft es denn so mit den Analphabeten? Ich sagte nur, dass es keine Analphabeten gäbe, denn ich hätte sie bereits in unser Alphabet eingewiesen und sie könnten jeden einzelnen Buchstaben schreiben und lesen. Somit sind es keine Analphabeten mehr.

Vorkenntnisse sind hilfreich

Je mehr Bildung, je mehr Kenntnisse, je mehr die Lernenden sich mit irgendetwas intellektuell beschäftigt haben, desto einfach ist es ihnen etwas Neues beizubringen. Und dabei geht es nicht nur um Sprache. Natürlich ebnet die erste Sprache den Weg für die zweite (siehe gleichnamigen Blogartikel), doch auch grundlegende Kenntnisse in Mathematik und anderen Disziplinen sind hilfreich.

So hatte ich zum Beispiel einen Teilnehmer betreut, bei dem ich mir ziemlich sicher war, dass er zum ersten Mal einen Bleistift in seiner Hand hielt. Das ist allerdings die Ausnahme.

Es ist auf jeden Fall beeindruckend, wie schnell auch Menschen mit wenig bis gar keiner Schulbildung die deutsche Sprache erlernen.

Psychologische Barrieren

Vielen dieser Menschen, die auch sogenannten Krisengebieten zu uns kommen, haben Erfahrungen gemacht, die sich vermutlich jeder gern ersparen würde. Wer traumatisiert ist, lernt nicht. Jedoch gilt auch: Wer lernt, ist nicht mehr so stark traumatisiert. Meiner Erfahrung nach hilft ein strukturierter und motivierender Sprachunterricht den Lernenden eine Perspektive zu bieten. Jeder kleine Erfolg in der Kommunikation und Verständigung sowohl innerhalb als auch außerhalb des Unterrichts löst psychologische Barrieren.

Alles in allem macht es mir einen Riesenspaß Jugendliche aus fernen Ländern zu unterrichten. Es ist nicht immer leicht, doch die Erfolge der Lernenden sprechen für sich.

106: Spanisch

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Ist Spanisch denn wirklich so einfach?

Es muss doch auch im Spanischen Schwierigkeiten geben, oder nicht? Ja, wer Schwierigkeiten sucht, der wird auch welche finden. Spanisch ist tatsächlich eine sehr einfache Sprache. In unserem Beitrag Die 10 wichtigsten Punkte, die eine Sprache leicht lernbar machen hatten wir schon einmal die Grundvoraussetzungen festgelegt. Jetzt geht es um Spanisch. Sonst nichts.

Wie wichtig ist die Antwort auf diese Frage?

Unwichtig. Es gibt viele Menschen, die diese Fragen stellen, deshalb möchten wir auch darauf eingehen. Ich finde auch die Antworten klasse, die Menschen geben, die bereits Spanisch gelernt haben. Hier zum Beispiel auf GuteFrage.net. Tatsächlich ist die Antwort aber unwichtig. Suche ich mir eine leichte Sprache aus eine Anzahl an möglichen, für interessanten Sprachen aus? Nein. Ich habe ein bestimmtes Ziel, sonst würde ich die Sprache doch gar nicht erst lernen wollen. Will ich zum Beispiel in Spanien leben und in Spanien Geschäfte machen, dann sollte ich Spanisch bzw. eine der vier spanischen Sprachen Castellano, Catalan, Euskera oder Gallego lernen.

Und ja, Malaiisch ist leichter. Und was habe ich davon? Genau, recht wenig, denn ich will ja nach Spanien und nicht nach Malaysia.

Und? Was ist an Spanisch denn schwer?

Es würde mal sagen, dass es genau drei Dinge gibt, auf die ich besonders achten würde. Diese drei Dinge gibt es nämlich im Deutschen nicht, und wenn ich keine andere Fremdsprache spreche, die diesbezüglich ähnliche Aspekte ausweist, dann darf ich etwas mehr üben.

Keine Sorge, alles ist lernbar.

  1. Die Verben ser und estar, die beide sein bedeuten.
  2. Der Unterschied zwischen Indefinido und Imperfekto – zwei Vergangenheitsformen, die am Anfang schwer zu unterscheiden sind.
  3. Der Subjuntivo – so eine Art Konjunktiv der besonderen Art.

Mit den richtigen und passenden Lernmethoden gehen diese Dinge ganz leicht und schnell dahin, wo sie hingehören, nämlich ins Unterbewusstsein.

Ser und estar

Das ist der Klassiker unter den Verwechslungsfehlern. Beide Wörter werden ins Deutsche mit "sein" übersetzt. Und das Wort "sein" ist laut der Rangliste der deutschen Wörter von der Universität Leipzig bereits auf Platz 14.  Rein statistisch betrachtet müsste man sich bei jedem Auftauchen dieses häufigen Wortes überlegen, ob es die eine oder die andere Übersetzung ist. Nicht gerade einfach, oder?

Andererseits darf man sich natürlich auch fragen, ob es sich denn hierbei um eine Übersetzung handelt. Nein, natürlich nicht. Warum sollte man übersetzen? Es geht ja nur darum, einmal die Bedeutung zu verstehen, danach ist es eine Bedeutungsfrage und kein Übersetzungsproblem mehr.

Indefinido und Imperfecto

Im Grunde genommen ist es dieselbe Herausforderung wie mit "ser" und "estar". Es handelt sich hierbei um zwei Vergangenheitsformen, für die wir in geschriebenen Deutsch – ja, wir reden anders als wir schreiben – wohl immer das Präteritum verwenden würden. Nehmen wir zum Beispiel einen Satz wie: "Während ich im Garten stand, fuhr ein Auto vorbei." Nun ja, "stand" und "fuhr" sind im Deutschen ein und dieselbe Form, im Spanischen sind es zwei verschiedene Formen.

Bei "ser" und "estar" ging es mehr um eine Bedeutungsfrage. Die Unterscheidung zwischen Indefinido und Imperfecto erfolgt auf Gefühlsebene. Wir haben diese Problematik schon einmal im Bezug auf die ing-Form im Englischen aufgegriffen. Hier der Link zu dem Artikel über die ing-Form. Es ist im Prinzip dasselbe: Durch gezielte Übungen baut man die entsprechenden Gefühle auf, die hinter den Zeitformen. Beim fließenden Sprechen ruft man einfach das Gefühl auf und schon hat man die richtige Form.

Der Subjuntivo

Der Subjuntivo ist so etwas ähnliches wie der Konjunktiv im Deutschen, wird allerdings anders verwendet. Nehmen wir zum Beispiel den deutschen Satz: "Er sagt, sie sei im Supermarkt." Warum muss es "sei" heißen und nicht "ist"? Genau, weil es eine Regel gibt und diese Regel heißt Konjunktive.

Derartige Regeln gibt es auch für den Subjuntivo. So müsste man ja einfach nur die Regeln lernen und schon funktioniert's, oder? Hmm, also, so hat es bisher immer bei denen funktioniert, die eine Fremdsprache über Regeln, d. h. über Grammatik gelernt haben. Wendet man eine Regel oft an, dann baut sich im Unterbewusstsein ein Gefühl auf. Später weiß man intuitiv, was richtig ist. Intuitiv bedeutet hier, dass mir mein Gefühl sagt, welche Form ich nehmen soll.

Fazit

Ja, Spanisch ist wirklich so einfach. Es geht nicht darum, ob man es lernt oder dass man es lernt, sondern WIE man es lernt.

105: Glaskugel – Ist Erfolg in der Fremdsprache planbar?

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Mit gesundem Menschenverstand braucht man keine Glaskugel

Hier war dieser Unternehmer aus einem mittelständischen Produktionsbetrieb, der mich fragte, ob ich in eine Glaskugel schauen könnte. Nein, ganz und gar nicht. Ich hatte nur eins und eins zusammengezählt und meine Schlüsse gezogen.

Jetzt aber erst einmal die ganze Geschichte. Der Unternehmer wollte gern einen Teil und vermutlich sogar einen großen Teil seines Geschäfts delegieren. Dazu brauchte er sich nur jemanden mit den entsprechenden Qualifikationen einzustellen oder aus den eigenen Reihen zu rekrutieren. In einem oder maximal zwei Jahren wäre dieser Mitarbeiter dann soweit eingearbeitet, dass er oder sie die entsprechende Verantwortung übernehmen könnte.

Bereits jetzt hatte dieser Unternehmer die Möglichkeit bekommen sich stärker und mit viel mehr Zeitaufwand in einem internationalen Berufsverband zu engagieren. Er ist sozusagen darum gebeten worden. Und das, obwohl seine Englischkenntnisse nicht die allerbesten sind.

Der Plan, der eigentlich keiner ist, war in etwa wie folgt: Ich lerne nach und nach etwas Englisch und irgendwann kann ich es dann so gut, dass ich mich international in dem Berufsverband einbringen kann. Im Moment brauche ich noch keinen Mitarbeiter oder Nachfolger zu suchen, weil ich ja noch nicht viel Zeit in den Berufsverband stecke.

Okay, also diese Rechnung geht nicht auf. Und dazu braucht man keine Glaskugel. Warum?

  • "nach und nach etwas Englisch zu lernen" – klingt nicht erfolgsversprechend.
  • "noch keinen Mitarbeiter oder Nachfolger zu suchen" – bedeutet keine Zeit zum Englisch lernen zu haben

Mit anderen Worten: Wenn alles so bleibt wie es ist, dann wird sich auch nichts verändern. Und eine Fremdsprache zu erlernen bedeutet Veränderung.

Ist Erfolg in der Fremdsprache planbar?

Ja, natürlich. Zunächst würde ich einmal die Voraussetzungen schaffen, damit der Erfolg überhaupt eintreten kann. In dem oberen Beispiel würde das bedeuten, dass sich der Unternehmer zunächst einmal einen Plan macht.

  1. Nachfolger suchen bzw. aussuchen. Vielleicht gibt es ja bereits einen sehr engagierten Mitarbeiter, der die neue Herausforderung gern annimmt.
  2. Die neue Aufgabe beim oben erwähnten Berufsverband annehmen, auf wenn die Englischkenntnisse noch nicht das Gelbe vom Ei sind.
  3. Aufbau der Englischkenntnisse planen (Sprachlernsoftware, Training, Kurse, Vokabeltrainer, Sprachreise usw.)

Ist der Sprung ins kalte Wasser sinnvoll?

Der obere Punkt 2, also die Aufgabe beim Berufsverband anzunehmen, ist natürlich die Voraussetzung für Punkt 1, den Nachfolger zu suchen. Wer nicht delegieren kann, schafft sich auch keine Zeit für Neues.

Das Argument, dass die Englischkenntnisse noch nicht gut genug seien, stimmt so nicht. Die Mitglieder des Berufsverbandes, die diesen oben erwähnten Unternehmer gebeten hatten, diese Aufgabe zu übernehmen, wissen wie es mit den Englischkenntnissen bestellt ist.

Tatsächlich ist es so, dass ein Großteil der Kommunikation in diesem Verband auf Deutsch abläuft. Es gibt viele internationale Mitglieder, die Deutsch sprechen. Ab einem gewissen Punkt läuft die Kommunikation dann auf Englisch ab. Die E-Mails und selbst die Telefonate lassen sich prima mit einem Sprachtrainer zusammen vorbereiten. Und Zeit zum Lernen ist ja reichlich vorhanden, während sich der neue Mitarbeiter über die Verantwortung freut und mit Vollgas den Umsatz steigert.

Erfolg in der Fremdsprache ist also planbar – auch ohne Glaskugel.

104: Sprachreisen

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Sind Sprachreisen wirklich eine tolle Sache? Sind sie effizient? Ihr Geld wert?

Eine Google-Suche nach language und holidays ergab 661 Millionen Treffer, also scheinen Sprachreisen ja für viele Menschen ein wichtiges Thema zu sein.

Kürzlich hat mich jemand nach Sprachreisen gefragt und ob ich eine Sprachreise empfehlen würde. Ich sagte, ja, natürlich. Alles, was man unternimmt um der Sprache ausgesetzt zu sein, ist gut. Dabei ist es relativ unwichtig, was man macht: eine Sprachlernsoftware zu benutzen, einen Kurs zu besuchen, mit einem Vokabeltrainer zu arbeiten, fremdsprachige Filme anzuschauen, oder eine oder mehrere Sprachreisen anzutreten.

Es geht fast nie um die Frage WAS man tut, es geht allerdings immer um die Frage WIE man es tut.

Was hat man von einer Sprachreise?

Viel und zu viel. Vergleichen wir es doch wieder einmal mit dem Sport. Würde es Sinn machen zum Beispiel für eine Woche in ein Sportcamp zu gehen. Dort würde man sich um mich kümmern, es gäbe nur gesunde und ausgewogene Nahrung, ich würde viel über meinen Körper und auch neue Techniken zum Fettabbau und Muskelaufbau lernen. Einfach klasse, oder nicht?

Schön und gut. Ja, mach die Sprachreise und achte auf die Vor- und Nachteile (siehe folgende Punkte). Und was passiert nach der einen oder zwei Wochen Sprachkurs? Kannst du die Sprache dann? Wie viele Sprachkurse brauchst du?

Okay, wir sehen schon, wo das hinführt. Sprachenlernen ist nicht etwas, das ich in kurzer Zeit erlerne und dann für immer behalte. Es ist auch nicht nach dem Kurs fertig. Als Energieschub ist eine Sprachreise klasse, langfristig sollte man entweder viele Sprachreisen machen oder diese mit anderen Tools kombinieren.

Was sind die Vorteile einer Sprachreise?

Ganz klar, wie oben beschrieben: Ich lerne sehr viel und in kurzer Zeit. Hocheffizient. Keine Ablenkung von dem täglichen Leben zu Hause. Nur, bitte aufpassen und gleich mal auf die Nachteile schauen.

Welche Nachteile haben Sprachreisen?

Leider viel zu viele.

Also, da sind zunächst einmal die Kosten. Wenn man sich das mal richtig überlegt, dann ist der Sprachkurs im Ausland ja auch nichts anderes als ein Sprachkurs vor Ort, nur dass man außerhalb der Kurszeiten die Sprache auch noch in anderen Situationen anwenden kann.

Die Zeit ist ein zweiter großer Faktor. Nicht jeder kann sich eine oder auch zwei Wochen Zeit nehmen. Entweder muss man diese Zeit vom vielleicht schon geplanten Urlaub abziehen oder es ist Arbeitszeit und dann ist – vor allem für die Freiberufler – Zeit gleich Geld.

Worauf darf ich bei Sprachreisen achten?

Die Antwort ist simpel: auf mich selbst. Es ist nur logisch, dass ich in der Sprachschule sehr viele Ausländer kennenlernen werde. Viele davon sprechen vermutlich auch noch meine Muttersprache. Und wenn es nicht ums Englischlernen geht, dann sprechen alle in den Pausen und sonst außerhalb der Sprachschule Englisch miteinander. Das ist klasse, nur hilft es dem Sprachniveau nicht besonders.

Ich würde bei einer Sprachreise immer darauf achten, dass ich mich von meinen eigenen Landsleuten fernhalte. Je mehr ich mich der Sprache aussetze desto besser. Vorher sollte man sich schon einmal Gedanken darüber machen, was man außerhalb der Kurszeiten machen will. Dass die Sprachkurse gut organisiert sind, steht außer Frage. Und was passiert davor und danach? Wenn ich die Zeiten außerhalb der Sprachschule nicht effizient für den Spracherwerb nutze oder nutzen kann, dann kann ich auch einen Sprachkurs zu Hause buchen und mir viel Zeit und Geld sparen.

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Hintergründe zu Lernstrategien
Tools & Methoden – was geht, und was nicht?
Sprachlerner im Studio – Erfahrungen aus erster Hand

von und mit
Dr. Kathrina Peters
Carsten Peters

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